Text und Fotos: Alexander Bauer

Entdeckungen in traditionellen Kulturlandschaften, einsamen Wäldern und romantischen Flußtälern.

In den letzten zwei Jahren habe ich in der Umgebung meines Grundstücks in Rosenau bei Zwettl immer wieder interessante Beobachtungen in der Natur gemacht. Nicht zuletzt deshalb, weil ich dorthin mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelange und die Wege zu den Bushaltestellen recht weit sind. Das hat mir aber auch die Möglichkeit gegeben, die Landschaft, die Vegetation und die Tierwelt zu verschiedenen Jahreszeiten zu erleben und genauer hinzusehen. Das Gebiet um Schloß Rosenau liegt westlich von Zwettl und steigt nach Westen zu an, von 500 m bis über 700 m Seehöhe. Geologisch betrachtet, wird die hügelige Landschaft im Westen vom Weinsberger Granit, die eher flachwellige Landschaft um Zwettl von verschiedenen Gneisen aufgebaut.

 

Im Wandel der Jahreszeiten

Egal ob im Frühsommer,…

… im Hochsommer oder …

… im Herbst. Die kleinteilig strukturierte Kulturlandschaft im zentralen Waldviertel bietet immer wieder interessante Bildmotive.

 

Landschaftselemente: Hecken, Raine und Einzelbäume

Foto oben: Hecken, Raine und Einzelbäume sind hier wichtige Landschaftselemente.

Als eine Gegend, die nicht kommassiert wurde, dominiert eine vielfältige, eher vom Ackerbau geprägte Feldflur, die typische Elemente wie Stufenraine, Hecken, Einzelbäume und kleine Waldinseln enthält. Gut zu erkennen sind die, in vielen Gegenden schon selten gewordenen oder ganz verschwundenen schmalen Streifenfluren, die mit ihren vielen Randstrukturen die Artenvielfalt äußerst positiv beeinflussen. So ist der Gesang der Feldlerche (Alauda arvensis) im zeitigen Frühling viel häufiger zu hören als in intensiver genutzten Gebieten und auch der Neuntöter (Lanius collurio) ist dort regelmäßig zu beobachten, wo die Raine mit Sträuchern durchsetzt sind. In den Getreidefeldern ist die Kornblume (Centaurea cyanus) noch recht häufig zu finden, manche Stellen scheinen von der Ferne im Sommer regelrecht blau eingefärbt von den Blüten dieser Blumen zu sein. Sind im ansteigenden Gelände die Felder parallel zum Hang angeordnet, werden sie durch Böschungen, die sogenannten Stufenraine begrenzt. Deren Bewirtschaftung hat sich in den letzten 100 Jahren geändert: wurden sie früher gemäht oder beweidet, so wird heutzutage entweder die Vegetation einmal im Herbst gehäckselt oder die regelmäßige Pflege unterbleibt überhaupt und es werden aufkommende Gehölze nur dann zurückgeschnitten, wenn sie die Bewirtschaftung der angrenzenden Äcker behindern. 

Foto: Das Berg-Sanglöckchen gehört zu den Glockenblumengewächsen. Wie ihre Verwandten, die Glockenblumen, besticht sie durch das strahlende Blau ihrer Blüten.

Diese heterogene Vegetation der Stufenraine macht aber auch ihre ökologische Bedeutung aus: es gibt trockene wiesenartige Bereiche, Brennesselbestände, Hecken aus Schlehe, Weißdorn und Heckenrosen, nährstoffreichere Standorte mit Holunder und Himbeere, dichte Bestände aus Zitterpappel und einzelne höher wachsende Bäume wie Vogelkirschen oder Stieleichen. Dieser Vielfalt und der Tatsache, dass nur unregelmäßig eingegriffen wird ist es auch zu verdanken, dass auf kleiner Fläche viele Schmetterlinge vorkommen. Ich konnte z.B. viele Individuen des Schachbrettfalters (Melanargia galathea) dort beobachten, die von den Altgrasbeständen profitieren. 

Foto: Die Pechnelke leuchtet mit ihren Blüten hervor. Sie gedeith auf kargen, nährstoffarmen Standorten.

Auch Pflanzenarten des extensiven Grünlandes gedeihen an diesen Böschungen und Rainen: Das Sandknöpfchen (Jasione montana) wächst an sandigen, nährstoffarmen Standorten und auch die Pechnelke (Viscaria vulgaris) ist auf trockenen Böschungen zu finden. Diese hat ihren Namen vom klebrigen, dunkel gefärbten Stängel, der wie mit Pech bestrichen ausschaut. Weitere typische Arten auf den mageren, sauren Böden sind der Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata), die Heide-Nelke (Dianthus deltoides) oder das Gewöhnliche Kreuzblümchen (Polygala vulgaris).

Foto: Der Knöllchen-Steinbrech vermehrt isch neben Samen auch über kleine Brutknöllchen.

Bezaubernde Flora des Granit- und Gneishochlandes

Foto oben: Der Scharfe Mauerpfeffer hat leucht gelbe Blüten. Er gehört zu den Dickblattgewächsen und ist immergrün.

Anstehender Granitfels führt an Böschungen oft zu interessanten Sonderstandorten. Hier kann man verschiedene Moose, Flechten oder auch den Scharfen Mauerpfeffer (Sedum acre) mit seinen sukkulenten Blättern finden.

Foto oben: Massenblüte von Schlangen-Knöterich auf einer Feuchtwiese.

Völlig andere Standorte sind jene mit Feuchtwiesen an Bächen und Flüssen wie der Zwettl oder in, vom Grundwasser beeinflussten Mulden. In letzteren gab es in früheren Zeiten auch Niedermoore, die durch extensive Nutzung ehemaliger Waldstandorte entstanden sind. Viele dieser Standorte wurden im Laufe der Zeit entwässert und werden mehr oder minder intensiv als Futterwiesen bewirtschaftet. Aber es kommen auch noch regelmäßig jene extensiveren Feuchtwiesen vor, die, trotz der oft vorhandenen Drainagen durch ihren Blütenreichtum auffallen. Dort kann man die attraktiven Blütenstände des Schlangen-Knöterichs (Bistorta officinalis) finden und im Frühsommer blühen die zarten Kuckucks-Lichtnelken (Silene flos-cuculi). Auch der Große Wiesenkopf (Sanguisorba officinalis) mit den eigentümlichen, dunkel-rotbraunen Blütenköpfchen ist ziemlich häufig an feuchten Standorten zu finden und besiedelt sogar Straßenränder.

Foto oben: Magerwiese mit Gewöhnlichem Kreuzblümchen.

Viele denken beim Waldviertel zuerst an Wald, obwohl der in dem zentralen Gebiet um Zwettl meist auf schlecht zu bewirtschaftende Standorte wie Flußtäler, felsige oder nassen Flächen dominiert und die Gegend eher landwirtschaftlich geprägt ist. Der ursprüngliche Mischwald aus Rotbuchen, Fichten und Weißtannen wurde in den letzten 150 Jahren oft durch Fichtenreinbestände oder auf trockenen Standorten durch Pflanzungen der Rotföhre ersetzt. Von der früher oft praktizierten Streunutzung und dem damit verbundenen Nährstoffentzug profitierten außer den Nadelhölzern auch Stieleiche, Birken und Zitterpappel während die anspruchsvollere Rotbuche das Nachsehen hatte. An größeren Flüssen wie der Zwettl, aber auch an Bächen dominieren bis heute Bestände aus Bruchweide, Schwarzerle und verschiedenen Sträuchern. An schattigen Waldbächen kann man im Frühsommer die auffälligen rosa Blüten der Alpen-Heckenrose (Rosa pendulina) entdecken. Auf den ersten Blick überraschend, denkt man doch bei Wildrosen zu aller erst an sonnige Feldraine und trockene Heckenränder. Eine weitere Besonderheit dieser Rosenart sind ihre Zweige, die nur wenige Stacheln aufweisen. 

Foto oben: Die Alpen-Heckenrose ist eine heimische Wildrose mit wenigen Stacheln.

Auch der Wald-Geißbart (Aruncus dioicus), die Österreichische Gamswurz (Doronicum austriacum) oder der Bunte Eisenhut (Aconitum variegatum) weisen darauf hin, dass das Waldviertel ein Berggebiet ist. Auf Schlagflächen und anderen lichten Stellen im Wald kommen beispielsweise der Rote Holunder, Eberesche oder Faulbaum vor. Von den Beeren, die diese Gehölze im Herbst schmücken profitieren zahlreiche Vogelarten, wie die Wacholderdrossel (Turdus pilaris). Diese ist durch ihre markanten Rufe ziemlich auffällig und kommt in Österreich hauptsächlich im Alpenraum und der Böhmischen Masse vor. Auch in den kommenden Jahren werde ich die Kulturlandschaft des Waldviertels und ihre Tier- und Pflanzenwelt beobachten. Es gibt sicher noch interessante Motive und Entdeckungen, die ich fotografisch festhalten möchte.

Foto oben: Der Bunte Eisenhut ist eine typische Waldpflanze und sehr stark giftig.

Alexander Bauer…

hat Landschaftsarchitektur an der BOKU studiert

liebt Pflanzen und Tiere

ist begeisterter Naturfreund