In vielen mitteleuropäischen Orten gab und gibt es die Dorflinde als Zentrum des Ortes. Sie war Treffpunkt, um sich auszutauschen. Es gibt auch Tanzlinden, die als Tanzboden genutzt wurden. Aber auch das Dorfgericht wurde hier abgehalten. Dieses geht auf die Tradition der germanischen Gerichtsversammlung, das Thing, zurück. Daher auch die Bezeichnung als Gerichtsbaum oder Gerichtslinde. Nach Kriegen oder Epidemien wurden Linden als Friedens- oder Kaiserlinden gepflanzt.

 

Bäume und Linden-Bäume in der Kunst

Foto oben: Knorrige alte Bäume regen unsere Phantasie und Sinne an.

Linden, aber auch andere Bäume, haben auch seit jeher Künstler inspiriert. Nicht nur in der bildenden Kunst, wie der Malerei oder Grafik haben sich Künstlerinnen und Künstler von Bäumen inspirieren lassen. Jeder Baum in der Allee Ladendorf, hat seinen eigenen Charakter. Von knorrig und zerzaust. Über hochaufstrebend und lichtlaubig, bis weit ausladend und dicht belaubt. Solche Charakterbäume animieren uns, unserer Fantasie freien Lauf zu lassen. Beim Spazieren durch die Allee Ladendorf hat man das Gefühl von Baumbart und anderen Ents aus dem Buch „Herr der Ringe“ umgeben zu sein. Oder wir erinnern uns an die Märchen, wo immer wieder auch Bäume eine Rolle spielen. Wie etwa im Märchen „Das Feuerzeug“ von Hans Christian Anderson, wo der Soldat von der alten Hexe angewiesen, in den Stumpf steigt, um Gold und das Feuerzeug aus der Tiefe zu holen. Es gibt hier hohle Baumstümpfe, in die ein erwachsener Mensch tatsächlich hineinsteigen könnte.

Auch in Liedertexten werden immer wieder Bäume und Linden erwähnt. Denken wir an das Lied von Franz Schubert „Am Brunnen vor dem Tore“. Der ursprüngliche Titel ist der „Lindenbaum“, ein Gedicht von Wilhelm Müller 1823 aus dem Gedichtzyklus „Die Winterreise“, die von Franz Schubert dann unter dem Titel „Am Brunnen vor dem Tore“ vertont wurde.

Am Brunnen vor dem Tore

Ursprünglicher Titel: Lindenbaum

Am Brunnen vor dem Thore
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt’ in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud und Leide
Zu ihm mich immer fort.

Ich mußt’ auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab’ ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst Du Deine Ruh’!

Die kalten Winde bliesen
Mir grad’ in’s Angesicht;
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör’ ich’s rauschen:
Du fändest Ruhe dort!

 

Sommer- und Winter-Linde

Foto oben: Die Blätter der Sommer-Linde sind sehr groß. Sie sind größer als jene der Winter-Linde.

Beide Arten, Sommer- und Winter-Linde sind in Mitteleuropa heimisch. Die Sommer-Linde, botanisch Tilia platyphyllos, bildet keine Reinbestände und ist eine Art der Gebirge, die in den Nordalpen bis auf 1000 m, in den Südalpen auch höher vorkommen kann. Sie wird aber schon lange auch als Allee- und Platzbaum verwendet, weil sie eine stattliche Größe von bis zu 40 Meter erreichen kann. Sie ist wie die Buche eine Schattbaumart und hat ähnliche Feuchtigkeitsansprüche. Daher wächst sie natürlich auf sickerfrischen, nährstoff- und basenreichen Böden in Schluchtwäldern oder als Leitbaumart des Buchen-Linden-Bergwaldes oder auch gemeinsam mit Ahorn, Eschen und Ulmen in Hang- und Bergwäldern. Auf Geröllhängen kann die Sommer-Linde auch bestandsbildend sein.

Foto oben: Die Blüten von Sommer- und Winter-Linde unterscheiden sich kaum. Aber die Winter-Linde hat mehr Blüten und später Früchte an den Scheindolden. Hier sehen wir eine Winter-Linde.

Die Winter-Linde, botanisch Tilia cordata, kommt vom Tiefland bis in die Alpen auf 1500 Metern natürlich vor. Sie bevorzugt geschützte sommerwarme Lagen mit frischen, basenreichen Lehm-, Löß-, Ton- oder Hangschuttböden. Meist kommen Winter-Linden in Pflanzengesellschaften mit Eichen oder Eichen und Hainbuchen vor, auch in Auenwäldern und mit Ahornen und Eschen in Hangwäldern. Gelegentlich bilden Winter-Linden auch Reinbestände. Das natürliche Verbreitungsareal der Winter-Linde ist doppelt so groß wie das der Sommer-Linde und ist bis in kontinentale Gebiete reichend.

Zu unterscheiden sind die beiden Linden-Arten an ihren Blättern, Knospen und jungen Zweigen sowie den Blüten und Früchten. Die Winter-Linde hat in den Blatt-Achseln braune Haare, die Sommer-Linde ist weiß behaart. Außerdem sind die Blätter der Sommer-Linde deutlich größer als der Winter-Linde. Die Knospen und jungen Zweige der Sommer-Linde sind grün, die der Winter-Linde rot gefärbt. Die Winter-Linde bildet vier bis 12 Blüten und Früchte, die Sommer-Linde nur zwei bis 6. Außerdem blüht die Sommer-Linde etwas früher. Beide Arten können sich auch natürlich Kreuzen. Dieser Naturhybride ist auch als Holländische Linde oder unter dem Botanischen Namen Tilia x europaea bekannt.

Foto oben: Linden bilden oftmals eine starke Wurzelbrut. 

Linden haben ein hohes Regenerationsvermögen. Sie können bis zu 1000 Jahre alt werden, wie auch Eichen oder Eiben. Ihre Baumstämme können über zwei Meter Durchmesser erreichen. Im Freistand bilden haben sie einen niedrigen Kronenansatz, in engem Stand hingegen wachsen sie langschäftig und schmal.

Da Linden durch den Klimawandel im Siedlungsraum zunehmend Wachstumsschwierigkeiten aufweisen, werden sie nun mit klimafitten Arten wie der Silber-Linde, botanisch Tilia tomentosa, die aus Südosteuropa stammt, ersetzt.

 

Die Linde als Nutzbaumart

Foto oben: Zur Zeit der Linden-Blüte stellen Imker ihr Bienenstöcke auf. Auch die Allee Ladendorf ist eine gute Bienenweide.

Das Holz er Linden sind gelblich weiß, weich und biegsam und hat eine gleichmäßige Holzstruktur. Daher wird das Holz für Holzbildwerke und Schnitzarbeiten, für Zeichenbretter, Bilderrahmen sowie für den Musikinstrumentenbau und die Modelltischlerei verwendet. Früher wurde der Rindenbast für Matten, Seile und Bindegut im Gartenbau verwendet. Lindenholzkohle ist eine gute Zeichenkohle.

Lindenblüten duften wunderbar. Sie sind typisch für den Sommer. Der Duft ist gegen Abend am intensivsten. Lindenblüten, auch „Flores Tiliae“ genannt, enthalten neben ätherischem Öl, das Farnesol, auch Flavonoide, Gerb- und Schleimstoffe. Der Tee aus Lindenblüten wird als schweißtreibendes Hausmittel bei fiebrigen Erkältungskrankheiten sowie zur Vorbeugung und Aktivierung der körpereigenen Abwehrkräfte getrunken. Außerdem hat Lindenblütentee eine beruhigende Wirkung. Gesammelt werden die Lindenblüten mit ihrem Tragblatt. In der Homöopathie werden Lindenblüten gegen Allergien und rheumatische Beschwerden angewandt.

Lindenblüten kann man auch in gutes Olivenöl oder Mandelöl einlegen und an einem warmen Ort zehn Tage stehen lassen. Dieses Öl ist als Hautpflegeöl verwendbar.

Mit Lindenblüten kann man auch einen aromatischen Zucker herstellen. Man mixt sie mit Zucker und trocknet den Zucker bei niedriger Temperatur, etwa 40 °C im Rohr. Der aromatische Lindenblüten-Zucker kann zusammen mit Zitrone für erfrischende Limonaden oder zum Aromatisieren von Süßspeisen verwendet werden.

Auch die Blätter der Linde sind als Lebensmittel nutzbar. Junge, frische Lindenblätter können in den Salat geschnitten oder mit Frischkäse, Obst oder Kräuter als pikanter oder süßer Snack zubereitet werden. Die getrockneten Blätter werden zu Mehl zerrieben und zu normalem Mehl hinzugegeben. Schon im Mittelalter wurden Blättermehle dem normalen Mehl zugesetzt, um es zu strecken. Durch die grünen Blätter erhält man auch einen grünen Teig, der schön aussieht.

Lindenblüten sind auch eine wertvolle Bienenweide. Lindenhonig ist Mischung aus dem Nektar der Blüten und dem Honigtau der Blattläuse. Der Honig hat eine feine Süße.

Teil 3 widmet sich dem ökologischen Wert von Alleen:

Welchen Wert haben Alleen im Allgemein und die Allee in Ladendorf im Speziellen aus ökologischer Sicht?