Ich liebe Botanische Gärten. Sie bieten immer interessante Einblicke in unterschiedlichste Pflanzengesellschaften und Florenregionen. Ob auch der Botanische Garten Frankfurt mein Herz höher schlagen lassen wird?
Schon kurz vor 9.oo h morgens stehe ich am Garteneingang Grüneburgpark. Die Tür ist noch verschlossen. Doch schon eilt bedächtig ein Gärtner herbei, um das Tor aufzuschließen. Er begrüßt mich freundlich und ich darf eintreten. Meine ersten Schritte durch den Botanischen Garten Frankfurt führen mich durch den Kalk-Buchenwald. Es ist noch ganz dunstig vom Regen der Nacht davor. Vogelgesang begrüßt mich. Rothkehlchen, Meisen, das Krächzen eines Grünspechts ist zu hören. Ich folge dem Rundweg ein Stückchen nach Norden. Und so gelange ich zum Alpinum.
Alpenflora mitten in Frankfurt
Foto: Stein und Pflanze schaffen im Alpinum einen schönen Kontrast.
Das Alpinum befindet sich in einer sanften Hanglage und gliedert sich in Kalkflora und Silikatflora. Es sind viele, für mich als Österreicherin vertraute, Pflanzen hier zu entdecken. Doch Frankfurt am Main liegt nicht gerade nahe an den Alpen und somit ist dieses Alpinum hier eine Besonderheit der Anlage. Ich schlängle mich durch die kleinen Pfade und bewundere die sorgfältigen Steinschlichtungen und -setzungen. Ein Bereich des Alpinums befindet sich gerade in Neuherstellung. Dazu wurden auch sämtliche Steinsetzungen und ein Bachlauf mit Sumpfzone neu gestaltet. Der Teilbereich ist noch nicht bepflanzt. Und so kann ich diese meisterliche Arbeit genau betrachten. Das bereits bepflanzte Alpinum erscheint vollkommen natürlich. Die Artenkombinationen sind wundervoll. Botanische Kleinode dicht an dicht.
Wiese, Sandsteppe und Heide
Foto: Der Eichelhäher ist fast zum Greifen nah. Er sieht mir direkt in die Augen.
Mein Weg führt mich weiter von der gemähten Glatthaferwiese zu den Sandsteppen. Auf einem Totholzast sitzt plötzlich unmittelbar vor mir ganz regungslos ein Eichelhäher. Er scheint keine Angst vor mir zu haben. Er dreht sich gemächlich um und fliegt davon.
Die typischen Gehölze des Sandlebensraumes wie etwa der Sanddorn bildet mit seinem silbrigen Laub und der dunklen Rinde einen wundervollen Kontrast zur krautigen Vegetation, den bereits braunen Gräsern und Samen- und Fruchtständen der Stauden.
Foto: Die Besenheide steht in Blüte. Sie sind eine wertvolle Nahrungsquelle für Insekten.
Gegenüber liegt die Heide. Sie steht in Blüte. Die rosa Blütenwolken der Besenheide sind ein Highlight zu dieser Jahreszeit. Die Heide erinnert mich an einen Ausflug den ich vor einigen Jahren in den nordenglischen Nationalpark Peak District gemacht habe. Damals befand sich die Besenheide in voller Blüte. Und das rosa Blütenmeer erstreckte sich bis zum Horizont. Hier ist die Heide zwar nicht so weitläufig, aber Besenheide, Wacholder und Sand-Birke bilden einen wundervollen Kontrast und erfreuen das Herz.
Waldgesellschaften Mitteleuropas und Feuchtlebensräume
Foto: Grün, grün, grün. Die Wasselinsen bilden einen grünen Teppich auf dem Wasser. Ein grüner Wasserweg. Die Uferpflanzen Rahmen den Bachlauf.
Nun durchstreife ich den Kiefern-Eichenwald, gehe wieder zurück in das Heide-Tal und lasse mich vom Weg zu den Sumpfpflanzen führen. Hier beeindrucken Hochstauden wie Angelika, auch als Engelwurz bekannt, und Blutweiderich. Ich verfolge den Verlauf der Bachaue. Sie erinnert mich an die kleinen Bächlein, wie sie auch in meiner Heimat dem Joglland häufig inmitten der Wälder vorkommen. Unterschiedliche Gräser wie Wald-Marbel, Stauden wie die Große Sterndolde und Farne wie Hirschzungen- und Wurmfarn säumen den steinigen Bachlauf. Der Weg entlang der Bachaue führt mich schließlich in den Birken-Eichenwald. Dieser geht fließend in den Eichen-Hainbuchenwald und schließlich in den Buchenmischwald über. Auch der Buchenmischwald ist mir aus meiner Heimat bekannt. Er war, bevor er den Fichtenforsten weichen musste, die vorherrschende Waldgesellschaft an den Nordhängen. Unter dem dichten Blätterdach der Buchen gedeihen nur wenige schattentolerante Arten wie Waldmeister und Efeu.
In der Feuchten Wiese blühen bereits Herbstzeitlosen. Und am Teich entdecke ich einen Graureiher und einige Teichhühner, die zwischen den Seerosenblättern nach Nahrung suchen.
Ein nettes Gespräch und ostasiatische Flora
Foto: Die Herbst-Anemonen sind zwar keine botanische Rarität, aber sie sind dennoch immer schön anzusehen. Sie stehen nun in Vollblüte.
Nach einem kurzen und sehr netten Pläuschchen mit einem Gärtner, geht meine Erkundung im Bereich der Ostasiatischen Pflanzen weiter. Die oftmals mehrstämmigen Gehölze von unterschiedlichen Ahornen, Rhododendren und vielen mehr bilden mit dem Unterwuchs ein eindrucksvolles Erscheinungsbild. Funkien, Wachsglocke, Herbst-Anemonen bieten vereinzelt Blühaspekte. Die unterschiedlichen Hortensienarten sind am Abblühen, beeindrucken aber mit ihren wundervollen Fruchtständen. Doch dieser Bereich fasziniert mehr durch die Vielfalt der Blatttexturen und -formen sowie den unterschiedlichen Grünschattierungen als durch die Blüten.
Mediterrane und thermophile Vegetation
Foto: Silbrige Farbtöne prägen die mediterrane und thermophile Flora.
Anschließend durchstreife ich den Bereich der Mediterranen Pflanzen. Rosmarin, Lavendel wachsen hier gemeinsam mit Mönchspfeffer, Lorbeer, Zistrose und vielen weiteren aparten Schönheiten der Garrigue und Macchie. Angrenzend liegt der Sonnige Kalkhang. Er präsentiert Arten wie Blut-Storchschnabel, Diptam und andere thermophile Vertreter.
Nordamerikanische Flora
Foto: Frisches Grün prägt die Flora Nordamerikas.
Nun gelange ich zu den Nordamerikanischen Pflanzen und bin an meinem Ausgangspunkt des Rundganges angekommen. Das Blattährengras hat schon seine namensgebenden und zierenden Samenstände ausgebildet. Dass dieses Gras eine gartenwürdige Zierpflanze ist, braucht nicht erklärt zu werden. Im sonnigeren Bereich steht die Immergrüne Magnolie mit Palmlilien und Kakteen.
Apothekergarten, Nutzpflanzen, Brombeeren und noch mehr botanische Besonderheiten
Foto: Ein Klassiker der Frankfurter Küche ist die Frankfurter Grüne Soße. Sie wird traditionell mit Kartoffeln und hartgekochtem Ei serviert. Köstlich!
Etwas abseits vom landschaftlichen Garten befindet sich der Heilpflanzen- und Nutzpflanzengarten. Die Heilpflanzen sind in organisch geformten Hochbeeten nach Themen wie Aromapflanzen, Verdauung oder Entzündung präsentiert. Natürlich darf ein Beet mit den Kräutern der bekannten Frankfurter Grünen Soße, oder Grie Soß, wie die Frankfurter sagen, nicht fehlen. Ich habe sie erstmals bei meinem Besuch im Palmengarten probieren dürfen und bin von ihr begeistert. Aber vielleicht kommt das davon, weil ich Kräuter und alles Grüne köstlich finde.
Anschließend sehe ich mir noch die Brombeer-Sammlung an. Die Abteilung der Bedrohten Arten, die Kanarenflora, die Kübelpflanzen und Rosen durchstreife ich nur kurz. Denn leider wird mir die Zeit schon knapp. Gerne würde ich eine zweite Runde im Garten drehen. Aber leider muss ich mich von diesem einzigartigen und wunderbaren Ort verabschieden, denn meine Reise geht nach Geisenheim weiter. Aber es ist für mich klar: Hierher muss ich zurückkehren! Dann werde ich sehen, wie sich der neue Alpinumbereich entwickelt hat. Und vielleicht treffe ich wieder den sehr freundlichen Gärtner auf ein Pläuschchen. Vielleicht komme ich auch wieder einem Eichelhäher so nah. Oder ich erlebe etwas ganz anderes. Und darauf bin ich schon richtig gespannt.
Zur Geschichte des Botanischen Gartens
Die Lage des heutigen Gartens ist der dritte Standort. Ab 1937 wurde mit dem Aufbau des Botanischen Gartens auf dem etwa acht Hektar großen Areal begonnen. Für die Planung wurde 1931 der Diplom-Gartenbauoberinspektor Kurt Kiehne beauftragt. Er war zuvor im Botanischen Garten Berlin-Dahlem tätig gewesen. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges und da sich anschließend der Standort im Sperrgebiet der amerikanischen Militärverwaltung befand, wurde der Botanische Garten erst 1958 vollendet.
Die Dr. Senckenbergische Stiftung wurde 1763 vom Arzt Johann Christian Seckenberg eingerichtet. Die Stiftung finanzierte die Errichtung des Botanischen Gartens an allen drei Standorten. Zu Beginn war der Botanische Garten rein auf Heil- und Medizinalpflanzen ausgerichtet, da er auch bis 2011 Teil der Goethe-Universität Frankfurt war. Und somit auch als Apothekergarten genützt wurde. Auch die Leiter des Botanischen Gartens waren bis 1867 Ärzte. Erst nach 1867 wurden Botaniker als Gartenleiter eingesetzt.
Die Anlage und ihre Gestaltung
Das Gartenareal wurde, möglicherweise in Anlehnung an den Botanischen Garten Berlin-Dahlem, im landschaftlichen Stil gestaltet. Ein Rundweg führt durch unterschiedlichen Waldgesellschaften. Die anderen Bereiche und Pflanzengesellschaften werden durch ein dichtes Wegenetz erschlossen und gegliedert.
Links
Dr. Senckenberggesellschaft für Naturforschung