Einige Tiere, wie die Zauneidechse, scheinen die anhaltende Hitze und Trockenheit zu genießen. Wir können uns glücklich schätzen, wenn wir sie im eigenen Garten begrüßen dürfen. Denn Eidechsen, wie alle Reptilien, sind geschützt und als Jäger halten sie unsere Pflanzen von Lästlingen schadfrei.
Die Zauneidechse
Foto oben: „Komm‘ und spiel mit mir!“ Diese kleine Zauneidechse nimmt gerade ihr Sonnenbad mitten in meinem Garten. Fast scheint es so, als wolle sie mich zum Spielen auffordern.
Die Zauneidechse, mit wissenschaftlichem Namen Lacerta agilis, gehört zur Klasse der Reptilien, auch Kriechtiere genannt. Sie haben ihren Entstehungsursprung vor über 300 Millionen Jahren, im Erdzeitalter des Karbon. Eine Zeit, lange bevor es Säugetiere oder Menschen gab. Also scheint ihre Lebensstrategie recht erfolgreich zu sein. Die Zauneidechse gehört zu den Echten Eidechsen, den Lacertidae.
Merkmale
Foto oben: Diese Zauneidechse ist bruan und weiß gefärbt. Sie hat sich direkt neben meinem Komposthaufen, wo diese Farben dominieren, angesiedelt. Aber es gibt auch sehr farbenprächtige Exemplare.
Das kleine Schuppenkriechtier erreicht eine Körperlänge von 20 bis 25 cm, wobei davon der Schwanz durchschnittlich 14 cm lang ist. Die Rückenmitte ist meist vom Hals bis zur Schwanzspitze durchgängig braun bis graubraun. Manche Exemplare haben auf dem Rücken auch eine Zeichnung in Form von weißen Tupfen oder Strichen sowie dunklen Mustern. Seitlich befinden sich meist sogenannte „Augenflecken“. Das sind weiße Punkte mit dunkler Umrandung. Manche Zauneidechsen können aber auch von dieser Färbung stark abweichen und teilweise oder auch zur Gänze grün gefärbt mit dunkler Musterung sein. Meist erscheinen die Männchen prächtiger als die Weibchen. Manche haben auch eine blau gefärbte Kehle, ähnlich der Östlichen Smaragdeidechse, ihrer großen und viel selteneren Verwandten.
Besonderheiten
Foto oben: Das ist eine Berg- oder Waldeidechse. Sie lebt ihn kühleren Regionen. Dieses Exemplar hat seinen Schwanz vor kurzem verloren. Nun wächst ein neuer nach.
Die Zauneidechse und auch andere Eidechsenarten besitzen die Fähigkeit, bei Gefahr ihren Schwanz an einer Sollbruchstelle abzuwerfen. Diese Fähigkeit wird als Autotomie bezeichnet. Es dient dazu, vor Fressfeinden fließen zu können. Der abgeworfene Schwanz bewegt sich einige Zeit und die Eidechse kann entkommen. Der Schwanz wächst wieder nach.
Lebensweise und Lebenszyklus
Die Zauneidechse ist tagaktiv. Ihre Winterruhe dauert etwa von September oder Oktober bis März oder April. Bald nach der Winterruhe kommt es im Frühjahr zur Paarung. Dabei paaren sich die Weibchen meist mit mehreren Männchen. Nach einigen Wochen werden die befruchteten Eier, etwa fünf bis 15 Stück, im bevorzugt sandigen Erdboden gelegt. Nach etwa zwei bis drei Monaten schlüpfen die Jungtiere.
Nahrungsspektrum
Foto oben: Zauneidechsen sind nicht wählerisch. Es wird gefressen, was krabbelt und mundgerecht ist.
Die Zauneidechse frisst ausschließlich fleischliche Kost. Bei ihr stehen allerlei tagaktive Insekten und Spinnen auf dem Speiseplan. Ich habe in meinem Garten eine Zauneidechse auf der Jagd in meinen Blumen im Steppengarten beobachten dürfen. Sie hatte nach Fliegen gejagt.
Lebensraum und Wohlfühlort
Foto oben: Naturnahe und biologisch bewirtschaftete Gärten sind eine hervorragender Lebensraum für Eidechsen und viele andere Arten. So fördern wir die Biodiversität im eigenen Garten.
Die Zauneidechse kommt in ganz Mitteleuropa vom Flachland bis zum Hügelland vor. Dort ist sie ursprünglich ein Kulturfolger, der im Siedlungsbereich oder siedlungsnahen Raum vorkommt. Sie lieben trockene und sonnige Orte. Häufig auf Wiesen und auch in Gärten, sowie ruderalen Orten wie Brachflächen, Kiesgruben und Bahndämmen anzutreffen. Doch durch die Nutzungsintensivierung ist sie in Siedlungsgebieten stark rückläufig. Denn die Zauneidechse benötigt strukturreiche Lebensräume. In einem naturnahen Garten mit Kräuterrasen, Blumenbeeten, Sträuchern und Bäumen sowie ausreichenden Unterschlupfen wie Trockenmauern, Steinhaufen und ähnlichem siedeln sie sich gerne an.
Reptilienhabitat für kleine Echsen
Foto oben: Der Steinhaufen hat eine tiefe Mulde, die ebenfalls mit Steinen ausgefüllt ist. In diesen Hohlräumen überwintern die kleinen Reptilien.
Wer das agile Schuppenkriechtier fördern möchte, legt in seinem Garten ein Reptilienhabitat aus Steinen und Sand an. Dazu wird eine rund ein Meter tiefe Mulde ausgehoben und mit mineralischem Material so angelegt, dass es frostfreie Hohlräume zur Überwinterung gibt. Damit die Echsen nicht zur Beute von Greifvögeln oder Katzen werden, sollte das Habitat durch spärlichen Bewuchs von stacheligen Sträuchern wie Wildrosen geschützt sein. Auch unbenutzte Mäuselöcher werden von Eidechsen gerne als Rückzugsort genutzt.
Beobachtungen im Garten
Foto oben: Beim Sonnenbad sind Eidechsen völlig regungslos. Dann können wir ihre Schönheit betrachten und sie fotografieren.
Eidechsen nehmen gerne Sonnenbäder an aufgeheizten Steinen und Trockenmauern. Nähert man sich ihnen langsam, kann man ihnen oft erstaunlich nahe kommen, und sie genau betrachten. Einmal habe ich eine kleine Zauneidechse beobachtet, als sie den Morgentau aus den Blüten aufnahm. Ich mag die kleinen flinken Tiere und freue mich, dass sie so zahlreich in meinem Garten anzutreffen sind.
Da Zauneidechsen Wärme und Trockenheit gut vertragen, gehören sie zu den Klimagewinnern. Mich freut es jedenfalls, dass die flinken Jäger zahlreich in meinem Garten sind.
Nachlese:
Buch „Von Pflanzen, die sich mögen & Tieren, die uns helfen“: Hier gibt es eine Bauanleitung für ein Reptilienhabitat.
Buch „Wo die ilden Nützlinge wohnen“: Hier gibt es eine Beschreibung der Zauneidechse und anderer Reptilien.
Website Herpetofauna: Das sind Reptilien und Amphibien zusammengefasst.
Artenportrait der Zauneidechse auf der Website Herpetofauna.