(M)ein Plädoyer für die Biodiversität.

In den letzten Wochen und Monaten tritt das Thema Artensterben und Biodiversitätsverlust in den Medien wieder vermehrt in Erscheinung. In Österreich ruft der Bund gemeinsam mit dem Naturschutzbund zum „Grand Prix der Biodiversität“ auf. Kampagnen wie „Natur verbindet“ und „Blüh-Sterreich“ richten sich an alle Menschen, die Einfluss auf die Bewirtschaftung von Grün- und Freiflächen haben. Vom Landwirt über den Gewerbetreibenden und den Kommunen bis zum Privatgartenbesitzer. In Deutschland beispielsweise gibt es die Aktion „Tausende Gärten – Tausende Arten“ der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. Diese und andere Aktionen lassen Hoffnung schöpfen, dass es nicht zu spät ist, etwas für unsere Natur zu tun.

 

Vorher versus Nachher

So sah mein Garten 2006 aus.

So sieht er heute 2021 aus.

Meine Erfahrungen im eigenen Garten zeigen, dass gezielte Maßnahmen tatsächlich ganz, ganz viel Positives bewirken können. Als ich den Garten übernommen habe, bestand er nur aus Rasenfläche. Artenvielfalt? Fehlanzeige. Nach und nach hat sich die Natur diesen Ort zurückerobert. Und ich lasse sie gewähren. Denn gerade diese Vielfalt, die ich noch aus meiner Kindheit kannte, vermisste ich.

 

Strukturen schaffen

Am Stadel wachsen Kletterrose und Spalierobst. Auch eine feine Sache bei wenig Platz. Im Vordergrund ist der abgeblühte Wundklee, Anthyllis vulneraria, auf der Ruderalfläche zu sehen.

Bei der Neuanlage des Gartens habe ich Rücksicht auf den Standort genommen. Der Boden ist Lösslehm. Es ist windig und im Sommer heiß, sonnig und sehr trocken. Das Weinbauklima der Region begünstigt Obstarten wie Marille, Pfirsich, Mandel und Feige. Also habe ich auf dem Grundstück neben den genannten noch zahlreiche andere Kultur- und Wildobstgehölze gepflanzt. Einige übernehmen als Hochstammbaum die Funktion der Gerüstpflanzen im Garten. Andere bewachsen als Spalierobst die Mauern. Eine freiwachsende Hecke aus verschiedenen wilden Sträuchern aber auch einigen Ziergehölzen bildet den schützenden Rahmen um das Grundstück. Das Herzstück des Gartens ist der Steppengarten mit Federgras und vielen anderen pannonischen Arten. Es gibt kleine Flächen mit wiesenähnlichem Bewuchs. Andere Stellen haben Ruderalcharakter. Nur die Verbindungswege werden regelmäßig gemäht. Spontanbesiedelung ist neben den bewusst gepflanzten und angesäten Arten herzlich willkommen. Sie bereichert meinen Hortus Pannonicus.

 

Die Vielfalt ist da!

Die Kleine Filzfurchebiene, Halictus tectus, wurde erst vor einigen Jahren in Österreich wiederentdeckt. Nun ist sie auch bei mir im Garten. Ich finde, sie hat was von einem Mini-Teddybär mit ihrer dichten Behaarung.

Von diesem Konzept ausgehend konnte sich die Artenvielfalt etablieren. Und die Artenvielfalt ist tatsächlich in meinen Garten gekommen.

Hier ein paar Falter, die ich in den vergangenen Wochen im Garten entdeckte:

Der Grünader-Weißling, Pieris napi, ist in Gärten häufig anzutreffen.

Der Große Kohlweißling, Pieris brassicace, gehört zu den häufigsten Tagfaltern.

Der Braunkolbige Braun-Dickkopffalter, Thymelicus sylvestris, ist ein kleiner auffälliger Falter.

Der unscheinarbe Malven-Dickkopffalter, Carcharodus alceae, ist teilweise schon gefährdet.

Die Widderchen, Zygaena, gehören zu den tagaktiven Nachtfaltern.

Auch die Ockerfarbene Queckeneule, Eremobia ochroleuca, ist ein Nachtfalter, der am Tage aktiv ist.

Das Schachbrett, Melanargia galathea, ist aufgrund seiner Zeichnung gut zu erkennen.

Das Tagpfauenauge, Aglais io, ist einer der bekanntesten Edelfalter.

Beobachtung und Freude

Die Fotobücher verbildlichen die Entwicklung meines Gartens.

Meine Beobachtungen im Garten versuche ich über Fotos festzuhalten. Für jedes Gartenjahr gibt es ein Fotobuch. Mittlerweile habe ich auch begonnen, die Tierfotos zu bestimmen und in Tabellen zu erfassen.

Die Artenlisten zeigen mir, wann welche Tiere im Garten zu beobachten waren.

Es hat sich gezeigt, dass die Vielfalt an Tieren über die nun 15 Jahre, seit ich den Garten habe, um einiges zugenommen hat. Das ist für mich Beweis genug, dass es funktioniert. Und sei es drum. Es ist einfach schön, die Tiere im eigenen Garten beobachten zu können.

Lebe das Laissez-faire-Prinzip!

Im Sommer blüht das Labkraut. An ihm sind immer die grünen Raupen des Taubenschwänzechens, Macroglossum stallatarum, zu finden.

Mein wilder Nützlingsgarten ist einfach immer spannend. Er ist in ständiger Veränderung und nie langweilig, denn er darf sich frei entwickeln. Darf einfach sein. Ich vermeide bewusst Eingriffe, weil sie meist das Leben vieler Arten (zer)stören. Also lebt das Laissez-faire-Prinzip nach dem Motto: Es sein lassen, also einfach gewähren lassen.