Anfang November war ich einige Tage in Frankfurt zur Weiterbildung. Anlass war das Symposium Innenraumbegrünung. Es wurde organisiert vom Bundesverband Gebäudegrün e.V. – Dach-, Fassaden-, Innenraumbegrünung. Ich beschloss das Symposium als Gelegenheit zu nutzen, um endlich den Palmengarten zu besichtigen und den Hermannshof in Weinheim im Spätherbst zu erleben.

 

Innenraumbegrünung

Ein Palmenhaus im Palmengarten Frankfurt.

Meine Liebe zu den Zimmerpflanzen habe ich durch meine Mutter und einen leider bereits verstorbenen Freund gefunden. Zimmerpflanzen machen das Leben auch im Winter grün. Und manchmal sogar blütenreich. Als ich meine erste eigene Wohnung hatte, begann ich mit Zimmerpflanzen zu experimentieren. Ich versuchte sie selbst über ihre Diasporen, Verbreitungseinheiten, zu vermehren. Avocadokerne, Dattelkerne, Zitruskerne… all das und noch viel mehr versuchte ich zu vermehren. Einiges gelang. Manches nicht. Die Dattelkerne beispielsweise lagen mehrere Monate im dunklen Schrank. Und als ich die Töpfe wegwerfen wollte: Da ein Keimling! Hurra! Und von diesen Kernen habe ich noch immer vier Pflanzen. Das ist nun schon fast 20 Jahre her.

Eine Wohnung ohne Grünpflanzen kann ich mir gar nicht vorstellen. Es muss nicht viel sein. Schon ein paar grüne Akzente können einen Raum positiv bereichern. Ich habe mittlerweile ein kleines grünes Vorzimmer (siehe Foto oben). Und es bereitet mir große Freude. Denn die Aussicht aus unserer Wohnung ist Triest. Keine einzige Pflanze.

Foto links: Exotisches Farnblatt. Foto rechts: Frucht und Blüte in einem.

Diese Freude am Grün im Raum an andere weiterzugeben, ist mir eine Herzensangelegenheit.

Besuch im Palmengarten – ein langer Wunschtraum geht in Erfüllung

Der Besuch des Palmengartens war ein Highlight für mich. Ich kannte diesen Garten über Fotos. Und ich kenne die interessanten Artikel von Sven Nürnberger. Er ist als Gärtnermeister für die Planung und Betreuung der Freianlagen im Palmengarten zuständig. Sven Nürnbergers Fachartikel erscheinen regelmäßig in der Ulmer Garten-Praxis. Svens Themen beschäftigen sich hauptsächlich mit exotischen Pflanzen. Aber jenen, die durchaus Potenzial für die Verwendung in unseren mitteleuropäischen Gärten haben.

Foto links: Fruchtstand vom Rosinenbaum, Howenia dulcis. Foto Mitte: Blüten des Herbst-Steinbrech, Saxifraga fortunei ‚Black Ruby‘. Foto rechts: Neuseeländischer Ehrenpreis, Veronica masoniae.

Ich war auf den Palmengarten schon sehr neugierig. Und meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Dieser Garten ist einzigartig. Die Pflanzungen mit erlesenen Arten. Die Atmosphäre. Ein Traum. Ich wandelte durch den Garten und freute mich an seiner Schönheit. Und dann traf ich Sven Nürnberger. Einfach so. Das war toll, ihm im Palmengarten über den Weg zu laufen. Und spontan nahm er sich die Zeit für ein Gespräch. Es war sehr interessant. Und anschließend setzte ich meinen botanischen Spaziergang im Garten fort.

Buch-Tipps:

Wild Garden – Gärten naturalistisch gestalten von Sven Nürnberger.

Palmengarten Frankfurt am Main von Sven Nürnberger, Hilke Steinecke und Theodor C.H. Cole.

Hier die schönsten Impressionen aus dem spätherbstlichen Palmengarten:

Der Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim

Seit ich vom Hermannshof gehört und Fotos gesehen habe, war und bin ich noch immer fasziniert von diesem Ort. Und unzertrennlich zum Sichtungsgarten gehört sein Gartenleiter Cassian Schmidt. Er ist nicht nur Leiter dieses Gartens sondern unter anderem auch Leiter des Arbeitskreises Staudenverwendung im Bund deutscher Staudengärtner, Professor für Pflanzenverwendung an der Universität Geisenheim und noch vieles mehr. Aber vor allem ist er ein hervorragender Pflanzenkenner und -verwender.

Cassian Schmidt hat dem Hermannshof seine unverkennbare Atmosphäre gegeben. Und diese ist überall spürbar. Als Gartenbesucher ist es, als würde man sich in einem Gemälde, einem begehbaren Kunstwerk bewegen. Und bei jedem Schritt ändert sich die Perspektive und es erscheinen neue, wunderbare Pflanzenkombinationen.

Cassian Schmidt versteht es Pflanzen in Zeit und Raum so anzusiedeln, dass sie ihren Betrachter in ihren Bann ziehen und ihn einfangen. Der vielgereiste Pflanzenspezialist hat unzählige Pflanzen an ihrem Naturstandort studiert. Egal ob die nordamerikanische Prärie, der Monsunwald in Ostasien oder die Steppen-Obstgebiete in Persien. Cassian war dort. Und in seinen Pflanzungen im Garten, schafft er es ein Gefühl von dieser Natur an ihren Betrachter weiterzugeben. Selbst die komplexesten Pflanzengesellschaften, schafft er mit einem Gespür für das Wesentliche so darzustellen, dass wir sie verstehen. Und auch Menschen ohne großes Pflanzenwissen können den Spirit dieser Pflanzungen erfassen. Obwohl im Sichtungsgarten Pflanzengesellschaften aus unterschiedlichen Teilen der Erde dargestellt sind, bilden sie ein harmonisches Ganzes. Den Kosmos Hermannshof. Für mich ist dieser Garten eine wichtige Inspirationsquelle.

Foto links: Laub einer Strauch-Pfingstrose. Foto Mitte: Leuchtend rotes Laub vom Großblumigen Spindelstrauch, Euonymus grandifloraus ‚Red Wine‘. Foto rechts: Blüte des Großblumigen Spindelstrauchs.

Auch hier hatte ich großes Glück, denn Cassian nahm sich Zeit für ein Gespräch und einen Gartenrundgang. Dabei sprach er über seine kürzlich umgesetzten, aber auch künftig geplanten Pflanzungen im Garten. Es ist einfach spannend wie ein Krimi, wenn er von seinen Pflanzenkombinationen, den ausgewählten Arten spricht. Ich könnte ihm stundenlang zuhören.

Buch-Tipp:

Hermannshof – Schau- und Sichtungsgarten von Cassian Schmidt.

Obwohl es bei diesem Besuch schon Spätherbst war und regnete – oder vielleicht auch gerade deshalb – wirkte der Garten faszinierend. Hier die schönsten Eindrücke von meinem Besuch:

Foto: Teppich aus Zyklamen und Drifts von Maiglöckchenlaub als Baumunterpflanzung.

Dieser Gartentrip hat mir Energie und Inspiration gegeben. Und ich durfte dabei ganz außergewöhnliche Menschen treffen und mit ihnen über ihre Leidenschaft Pflanzen sprechen. Eine wunderbare Bereicherung für meine Tätigkeit als Pflanzplanerin.

Foto: Main Nizza in Frankfurt.