Der Golf von Neapel ist bekannt für seine pittoresken Küstenlandschaften und Städte. Die klimatischen Verhältnisse begünstigen eine große Vielfalt von Gemüsen und Früchten, heimischen und auch exotischen Pflanzen. Ein floristischer Streifzug durch Neapel und Capri.

 

Bella Napoli – berühmt und berüchtigt

In bella Napoli gibt es kaum einen Balkon oder Innenhof ohne Grün. Topfpflanzen und begrünte Pergolen gehören zu Neapel wie die berühmten Wäscheleinen.

Begrünte Innenhöfe sind wahre Oasen und auch Ruheorte.  Der morbide Charme der Stadt ist immer und überall zugegen.

Beim schlendern durch die Straßen kommt man an zahlreichen Märkten vorbei. Neben allerlei Tand gibt es auch immer fangfrischen Fisch und frisches Gemüse. Hier wird Vielfalt großgeschrieben. Was man aus all diesen Gemüsen für schmackhafte Gerichte zubereiten kann?

Fenchel und Artischocken sind gerade erntefrisch auf dem Markt. Aber es gibt nicht nur eine Sorte Artischocken. In Italien findet sich eine unglaubliche Sortenvielfalt.

Ein Spaziergang durch die engen Straßen und Gassen der Stadt zeigt: Neapel ist ruderal und urban zugleich. In den Pflaster- und Mauerfugen sprießt das Grün.

 Orto Botanico die Napoli

Im Botanischen Garten Neapel gibt es eine Palmerie, aber auch eine Sammlung an Zitrusfrüchten. Natürlich auch der Bergamotte. Für Bergamotten und andere Zitrusfrüchte ist die Amalfiküste bekannt. Und tatsächlich ist der Geschmack dieser Fürchte hier außerordentlich fein.

Eine individuenreiche Kameliensammlung zeigt das sortenreiche Spektrum dieser wunderschönen Gewächse, die hier besonders gut gedeihen.

Ein Tälchen mit urwüchsigen Baumfarnen und Farnen verzaubert. Plötzlich fühlt man sich in einer anderen Welt.

Neben Macchie und Sukkultengruppe gibt es zahlreiche interessante Bäume. Wie etwa den Florettseidenbaum, Ceiba speciosa (Bild oben). Er sieht mit seinen Stacheln und dem bauchigen Stamm sehr beeindruckend aus.

Im Kalthaus können interessante Tropenpflanzen bestaunt werden. Und im Tropenhaus (Bild oben) gibt es einen Einblick in einen mexikanischen Regenwald.

Auch im Botanischen Garten findet sich Ruderalvegetation wie den gelbblühenden Hornklee (Lotus corniculatus) und den Neapolitanischen Lauch (Allium neapolitanicum) (Bild oben). Sie bieten Nahrung für Bienen und andere Blütenbesucher.

Ginster rund um Herculaneum

Das archäeologische Gelände von Herculaneum bietet einen Einblick in das antike Italien. Eine Einsicht in eine modern organisierte und kultivierte Welt. Raffinierte Architktur, wunderbare Mosaike und Wandmalereien. Eine Kultur, die verstand, das Leben zu genießen. Nun wuchern Ginster und andere Ruderalpflanzen am und um das Areal.

Nun tummeln sich neben den vielen Touristen auch Eidechsen und anderes Getier auf dem Ausgrabungsgelände. Diese Eidechse scheint die Sonnenstrahlen zu genießen.

Parco di Capodimonte

Der Parco di Capodimonte am nördlichen Stadtrand von Neapel ist ein riesiges Naherholungsgebiet. Es gibt zahlreiche Alleen mit Eichen. Dazwischen darf sich die Natur frei entfalten.

Im Unterwuchs der Waldquartiere blühen verschiedene Wildstauden wie hier der Knollen-Beinwell (Symphytum tuberosum). Aber auch Mandelblättrige Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides) und Aronstab (Asarum italicum) wachsen hier. Diese Arten wachsen auch in unseren Wäldern.

Der Landschaftspark bietet auf den weitläufigen Rasenflächen ausreichend Platz zum Erholen, Spielen oder Sport betreiben.

Parco Floridiana

Der Park Floridiana ist wesentlich kleiner als der Parco di Capodimonte, aber ebenfalls ein wichtiges Nahrerholungsgebiet mitten in Neapel. Schulkinder werden mit der Natur vertraut gemacht. Eltern spielen mit ihren Kindern.

Isola di Capri

Ein Inselausflug darf bei einer Reise im Golf von Neapel nicht fehlen. Capri ist die bekannteste aller Inseln. Leider auch die am meisten touristische. Selbst in der Nebensaison ist der Tourismus überall present.

Ein Blick auf die Steilküste bietet aber auch interessante Vetegationsaspekte.

Typisch für den mediterranen Raum ist die Macchie. Die Strauch-, Zwergstrauch- und Halbstrauchvegeation. Dazwischen wachsen Agaven und Feigenkaktus. Die ursprünglich aus Mexiko stammenden Arten haben sich hier bestens etabliet. Als Sukkulente kommen sie mit Hitze und Trockenheit gut zurecht.

Die wilde Vegetation wirkt durchaus apart. Man könnte meinen, in einem Garten zu sein.

An der Steilküste gibt es ein artenreiches und malerisches Mosaik an unterschiedlichen Pflanzen.

Je nach Standort gibt es Felsspalten, die mit Gräsern bewachsen sind. Dort wo es mehr Substrat gibt, wachsen selbst kleine Bäume. Vertikalbegrünung à la nature.

Natürlich sind Pinien (Pinus pinea) ebenfalls ein typisches Florenelement im Golf von Neapel. Ihre ausdrucksstarke Silhouette ist einfach immer wieder schön anzusehen.

Capri ist eine abwechslungsreiche Terrassenlandschaft. Glücklicherweise haben sich auch noch die typischen Gärten mit Obstbäumen, Wein und Gemüsebeeten erhalten.

In den zahlreichen Trockensteinmauern finden Wildbienen und andere Wildtiere einen geeigneten Lebensraum.

An den Pergolen werden Weinreben gezogen. Dazwischen wachsen Obstbäume. Und darunter werden Gemüse kultiviert. Ein sehr effizientes System, um platzsparend Nutzpflanzen zu kultivieren.

An der Gebäudefassade werden Ramblerrosen und Bougainvillea gezogen. Davor wächst eine Rosmarinhecke. Einfach schön.

Auch über Torbögen und auf den Mauerkronen darf es wild wuchern. Agaven und Farne.

Der Golf von Neapel ist aus vielen Gründen einfach sehenswert: Liebenswerte und freundliche Menschen. Gutes Essen. Malerische Städte. Ein wunderbarer Mix aus kultivierter und wilder Vegetation. Auch wir können uns das zum Vorbild nehmen: Mehr Wildwuchs zulassen und la dolce vita in vollen Zügen genießen.