In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden dann diese vierreihigen Alleen gerne außerhalb der Garten- und Schlossanlagen angelegt und markierten in imposanter Weise die Schlosszufahrten. Alleen waren besonders in der Barockzeit in Europa sehr beliebt. Der Höhepunkt ihrer Verwendung als Gestaltungselement ist das späte 17. und 18. Jahrhundert, Zeit des Absolutismus. Schlossanlagen mit ihren barocken Gärten galten als Symbol der Macht.

Barockanlagen als Machtysmbol

Was ist also typisch für Barockgärten, oder Gärten im französischen Stil, wie sie auch genannt wurden? Gabriele Uerscheln und Michaela Kalusok beschreiben es ihn ihrem „Wörterbuch der europäischen Gartenkunst“ so:

„Zu den charakteristischen Merkmalen für den klassischen französischen Barockgarten des grand gout zählen: Die gesamte Anlage orientiert sich zum Schloss als Zentrum, von wo aus sich ein umfassender Blick eröffnet – das Schloß wird zur Metapher des allsichtigen Herrscherblicks; die zentrale Mittelachse bildet über den Horizont hinaus eine optische Verbindung zwischen dem König mit seiner Residenz, die als Ort der Vernunft das Reich der Natur bezwingt, und dem ihm attributhaft zugewiesenen Licht des Himmels. (…)“

 

Allee-Typen

Foto oben: Auch im Schlosspark Schönbrunn finden sich zahlreiche Alleen. Sie sind das primäre vegetabile Gestaltungselement im Schlosspark.

Vierreihige Alleen wie in Ladendorf wurden auch allée double genannt. Die Allee Ladendorf wurde hauptsächlich mit Sommer-Linden, aber auch Winter-Linden, Ulmen und Ross-Kastanien bepflanzt. Nach Rupert Doblhammer waren vierreihige Alleen ursprünglich dem Kaiser vorbehalten, insbesondere innerhalb der Gartenmauern. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden dann diese vierreihigen Alleen gerne außerhalb der Garten- und Schlossanlagen angelegt und markierten in imposanter Weise die Schlosszufahrten. Neben der vierreihigen Allee oder allée double, die wir beispielsweise im Schlosspark Schönbrunn, im Augarten und Prater finden, gibt es die zweireihige Allee, auch allée simple genannt. Das ist jener Allee-Typ den wir häufig vorfinden. Als Sonderform gibt es die dreireihige Allee. Diese finden wir etwa in Bad Ischl der Sophien Esplanade oder im Mirabellgarten die Lindenallee. Eine einreihige Allee gilt eigentlich nicht als Allee, wird aber manchmal als weitere Sonderform angeführt.

Foto oben: Diese Allee im Schlosspark Schönbrunn wirkt wie ein Gang, die Bäume erscheinen wie Wände. Nach oben ist die Allee offen und der Blick wird zum Zentrum, dem Schloss, gelenkt.

Jenachdem, welchen räumlichen Eindruck man vermitteln wollte, sollte die Allee offen bleiben, sodass der Himmel sichtbar blieb. Diese Allee wird als allée decouverte bezeichnet. Oder aber die Allee sollte geschlossen sein, sodass man das Gefühl hatte, sich durch einen geschlossenen Gang zu bewegen. Diese Form der Allee wird allée couverte genannt. Bei einer vierreihigen Allee kann das variieren. Die seitlichen Wege sind geschlossen, der mittige und breitere Weg bleibt offen. Das ist auch bei dieser Ladendorfer Allee so. Es ergibt sich daraus, dass der zentrale Weg deutlich breiter ist als die beiden Seitenwege. Der zentrale Weg zur Erschließung mit der Kutsche gedacht oder hoch zu Ross, die beiden Seitenwege zur fußläufigen Erschließung.

Foto oben: Der große Buchengang im shclosspark Schönbrunn wirkt, wie sein Name sagt, wie ein Gang.

Foto oben: Im Barock wurden eigene fahrbare Schnittgerüste entwickelt, um ökonomisch die Arbeit zu verrichten. Etwas modernisiert, aber im wesentlichen noch wie zu Zeiten des Barocks, werden sie im Schlosspark Schönbrunn und im Augarten Wien noch immer verwendet.

Innerhalb der Schlossmauern war der regelmäßige Schnitt auch der Formschnitt bei Alleen üblich. Zudem galt im Barock ein hoher Kronenansatz bei Bäumen als ideal. Die Gründe dafür sind möglicherweise nicht nur in ästhetisch-gestalterischen Aspekten zu suchen, sondern einfach auch deshalb, dass eine Allee auch mit Kutschen befahrbar sein sollte.

Für den Schnitt der Alleen und Heckenwände wurden im Barock fahrbare Holzgerüste entwickelt. So konnte ökonomisch der Schnitt erfolgen. Im Schlosspark Schönbrunn und im Augarten in Wien kommen diese Holzgerüste nach wie vor zur Verwendung.

Außerhalb der Schlossmauern und in der Landschaft wurden die Bäume nicht geschnitten. Auch in der Allee Ladendorf blieben die Bäume ungeschnitten.

 

Pflanzung und Pflanzabstände der Alleebäume

Foto oben: Je enger und dichter gepflannt wird, entsteth der gangartige Eindruck. Dann entsteht eine allee couverte, also geschlossene Allee.

Werden die Alleebäume einander gegenüber gepflanzt, wird diese Pflanzung „im rechten Winkel“ bezeichnet, aber auch parallel gepflanzte Reihen oder regelmäßige Pflanzung. Optisch sieht das wie die Vier auf einem Würfel aus. Die andere Möglichkeit ist, die Bäume versetzt zu pflanzen. Wie die Fünf auf einem Würfel. Man bezeichnet das als Quincunx, „auf Lücke“ oder im „Dreiecksverband“ pflanzen.

Die Pflanzabstände waren gemäß Rupert Doblhammer innerhalb der Reihe oft mit unter fünf bis sechs Meter relativ eng. Die Abstände der Reihen betrugen in der Mittel- oder Innenreihe etwa elf bis dreizehn Meter, in den Nebenalleen oft nur fünf bis sechs Meter. Diese Abstände findet man nach Rupert Doblhammer im Wiener Augarten und im Schlosspark Schönbrunn. Breitere Abstände finden man etwa in der Prater Hauptallee.

 

Der Begriff „Allee“

Etymologisch handelt es sich bei dem Begriff „Allee“ um ein Lehnwort aus dem Französischen von „aller“ – gehen, wobei allée im Französischen mehr einen Gang oder eine Gasse bezeichnet, der im Falle von Gärten meist von Gehölzen, oft auch mit Hecken oder Formschnittbäumen, nicht zwingenderweise mit Bäumen gesäumt ist. Der Begriff Allee meinte ursprünglich also den Weg zum Gehen und wurde erst später mit dem Bild des von Bäumen gesäumten Weges gleichgesetzt.

Und so wird nun unter Allee ein Weg oder eine Straße mit einer oder mehreren beidseitig flankierenden, parallelen Baumreihen, die aus Bäumen, die in regelmäßigen Abständen gepflanzt sind.

 

Baumarten von Alleen

Foto oben: In der Allee in Ladendorf dominiert zwar die Sommer-Linde, aber es gibt auch einige Ahorne und Ross-Kastanien, wie hier zu sehen ist.

Denken wir an Alleen, stellen wir uns Baumreihen, die nur aus einer einzigen Baumart bestehen, vor. Aber im Barock war auch die Mischung mit zwei Arten beliebt. Diese wurden alternierend aufgepflanzt. Etwa die von Jean Trehet angelegten Alleen im Liechtensteinschen Garten in Wien, wo abwechselnd Kastanien und Fichten gepflanzt waren. Oder die Hauptallee bestand aus einer Art und die Nebenalleen aus einer anderen Art.

Die Sommer- und Winter-Linde ist historisch gesehen in Mitteleuropa der Alleebaum. Aber auch andere Linden-Arten und Sorten, Eichen, Ahorne, Birke, Esche, Ulmen, Hainbuchen, Buchen, Schwarz- und Weißpappeln waren früher als Alleebäume beliebt. Außerdem verwendete man im Barock auch gerne außergewöhnliche oder immergrüne Bäume für Alleen. Besonders innerhalb der Schlossmauern kamen Fichten, Tannen und Lärchen zum Einsatz, um besondere Effekte zu erzielen. Beispielsweise gibt es im Schloss Rosenau, in der Gemeinde Zwettl, eine Lärchenallee.

Später kamen auch exotische, also nicht heimische Arten zur Verwendung wie Ess-Kastanien, Platanen, Robinien, Maulbeeren und Götterbäume. Sie waren jedoch nicht immer zuverlässig winterhart, da die Winter in Mitteleuropa noch deutlich strenger als heute waren.

 

Alleen in den unterschiedlichen Stilepochen

Foto oben: Auch wenn in den herrschaftlichen Anlagen Ende des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert Alleen eher verpönt waren, waren sie als Element der Kulturlandschaft beliebt.

Nachdem Alleen zur Barockzeit einen Boom erlebten, waren sie Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Englische Garten oder Landschaftsgarten en vouge war, verpönt. Erst in der Gründerzeit, in Österreich zwischen 1840 und 1918, wo in Wien etwa die Ringstraße mit ihren Prachtbauten entstand, wurden Alleen wieder angelegt. So finden wir die Ringstraße als vierreihige Allee, die ursprünglich mit Götterbäumen bepflanzt wurde.

Auch in der Kulturlandschaft war es ab Mitte des 18. Jahrhunderts beliebt, als Teil der Landschaftsverschönerung, Alleen zu pflanzen. Oftmals wurden fruchttragende Bäume wie Obst- und Walnussbäume, aber auch Säulen-Pappeln gepflanzt.

 

Funktionen der Alleen in der Landschaft

Alleen in der Landschaft hatten mehrere Funktionen zu erfüllen, Ästhetik und Nutzen wurden miteinander verbunden. Nutzen, weil etwa Edelobst geerntet und als Nahrungsmittel oder zur Vermehrung von Edelreis genutzt werden konnte. Außerdem gab es immer wieder sehr kalte Winter, wo Obstbäume buchstäblich erfroren.

Die fruchttragenden Bäume wurden zur Fruchternte früher jährlich versteigert. Auch im Weinviertel waren Obst- und Nussbaumalleen beliebt. Aber nach und nach wurden die Bäume entfernt und nicht mehr nachgepflanzt. Eine noch erhaltene Obstbaumallee aus Birnbäumen gibt es in Oberösterreich in St. Georgen bei Grieskirchen.

Neben der Ästhetik gab es eine weiter Komponente, weshalb Alleen entlang der Verkehrswege in der Landschaft angelegt wurden: Eine Allee schützte vor Witterungseinflüssen wie Sonne, Regen, Wind. Der Großteil der Menschen war zu Fuß oder ungeschützt auf einem Tier reitend den Witterungseinflüssen ausgesetzt. Die Fortbewegungsgeschwindigkeit war gering. Auch im Winter konnte man sich an den weithin sichtbaren Alleebäumen orientieren, Schneeverwehungen wurden abgewehrt. Und ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Alleen auch teilweise aufgrund von militärischen Erwägungen angepflanzt. Als Sichtschutz und Deckung für durchziehende Truppen.

Teil 3 widmet sich der Linde.

Eine Baumart mit wichtiger kulturhistorischer Bedeutung in Mitteleuropa.