Wer sich mit Stauden beschäftigt, trifft mit Gewissheit auf den Namen Karl Foerster. Er war Gärtner, Staudenzüchter und Gartenbuchautor. Sein Privatgarten in Bornim bei Potsdam ist ein Kleinod, das inspiriert und Foersters Zugang zur Pflanzenververndung vermittelt.

 

Karl Foerster – großartiger Staudenzüchter mit Schattenseiten

Foto oben: Hier lebte und arbeitete Karl Foerster. 

Karl Foerster erblickte am 9. März 1874 in Berlin als Sohn des Astronomen und Direktor der Königlichen Berliner Sternwarte Wilhelm Julius Foerster und der Malerin Ina Foerster das Licht der Welt. Nach einer Gärtnerlehre, und kurzzeitiger Schüler an der Königlichen Gärtnerlehranstalt am Wildpark bei Potsdam, war er anschließend auf beruflicher Wanderschaft, bis er 1910 seine eigene Gärtnerei in Potsdam-Bornim gründete. Ziel seiner Arbeit war die Wiedereinführung von mehrjährigen Blütenpflanzen, Gräsern und Farnen in die Gärten. Denn er war der Meinung, dass die Gärten seiner Zeit zu einfalls- und lieblos bepflanzt wären. Und so nahm Foerster zahlreiche gartenwürdige Stauden in das Sortiment seiner Gärtnerei auf und bearbeitete sie auch züchterisch weiter.

Während der NS-Zeit war Foerster Parteimitglied der NSDAP, was einen dunklen Schatten auf den großartigen Staudenzüchter wirft. Clemens Alexander Wimmer hat sich im Buch „Gärtner der Nation. Die vier Leben des Karl Foerster“ auch diesem Lebensabschnitt Foersters gewidmet. Jedenfalls führte Karl Foerster sein Wirken nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fort und wurde durch Auszeichnungen und Ehrungen gewürdigt. Am 27. November 1970 stirbt Foerster mit 96 Jahren in Potsdam.

 

„Natur redet eine wunderbare Sprache“ – Züchtungen und Sortenauslesen

Foto oben: Das bekannte Garten-Reitgras ‚Karl Foerster‘ befindet sich rechts vom Weg. Es ist an seinem straff aufrechtem Wuchs zu erkennen.

In Karl Foersters Gärtnerei entstanden zahlreiche Sortenauslesen und Züchtungen, die bis heute in den Sortimenten geführt werden. Das Garten-Reitgras, Calamagrostis x acutifloa ‚Karl Foerster‘ ist eine der bekanntesten Züchtungen. Hier kreuzte er das attraktive, aber ausläuferbildente Calamagrostis epigejos und das kompakt wachsende, aber sehr dezente Calamagrostis arundinacea. Die daraus entstandene Sorte ist steril, wächst straff aufrecht, hat attraktive Blütenstände und ist sowohl für sonnige bis halbschattige Standorte, selbst im Wurzelbereich von Bäumen geeignet. Karl Foerster gab ihm den Sortennamen ‚Stricta‘. Erst später wurde es nach seinem Züchter in ‚Karl Foerster‘ umbenannt.

Weitere Züchtungen entstanden. Etwa im Bereich der Garten-Rittersporne die Sorten ‚Finsterraarhorn‘ und ‚Sternennacht‘, um nur zwei von vielen zu nennen. Unter den Astern etwa die Berg-Asternsorten ‚Rosenkönigin‘ und ‚Veilchenkönigin‘. Auch die Phloxe wurden sehr intensiv züchterisch von Foerster bearbeitet. Der Sommer-Salbei mit der Sorte ‚Mainacht‘ oder der Ehrenpreis mit der Sorte ‚Knallblau‘ sind noch immer sehr beliebt und in allen Staudengärtnereien zu finden.

 

„Wer Träume verwirklichen will, muss wacher sein und tiefer träumen als andere.“ – die Gartenbücher des Herrn Foerster

Foto oben: Das Laub der rotlaubigen Silberkerze steht im Kontrast mit dem frischgrünen Farn und dem davor befindelichen grauen Stein.

Karl Foerster hatte großes Sendungsbewusstsein. Und er lebte und verwirklichte seine Träume. Durch seine zahlreichen Bücher konnte er seine Gartenphilosophie verbreiten. In seiner blumig-philosophischen Sprache beschreibt Foerster, worauf es ihm bei der Pflanzenverwendung ankommt. Bis heute gibt es eine große Schar an Menschen, die seiner Philosophie und seinen Zitaten nachhängen.

 

„Wer der Gartenleidenschaft verfiel, ist noch nie geheilt worden.“ – Forsters Privatgarten

Foto oben: Der Senkgarten mit dem Wasserbecken und den konzentrisch angeordneten Staudenbeeten bilden das Zentrum des Gartens.

Direkt an der Gärtnerei Foersters wurde das Wohnhaus, das inmitten des etwa 5000 Quadratmeter großen Gartens liegt, gebaut. Der Garten gliedert sich in mehrere Gartenbereiche: Senkgarten, Natur- und Steingarten, Frühlingsweg, Herbstbeet und Farnschlucht.

 

„Bäume und Sträucher sind das Rückgrat des Gartens.“

Foto oben: Die Stauden bringen Dynamik und Farbe in den Garten. Die Geöhlze bilden den Rahmen, das Gerüst und strukturieren den Garten.

Gehölze, darunter auch ein erheblicher Anteil an Koniferen, bilden den räumlichen Rahmen. Sie öffnen, verbergen, strukturieren den Garten und geben ihm das räumliche Gerüst. Kletterpflanzen, die an der Hausfassade hochranken, binden auch das Gebäude in den Garten mit ein.

 

Der Senkgarten – Arts- & Crafts-Einflüsse aus Großbritannien

Foto oben: Frische und zarte Farbtöne dominieren in diesem Beetbereich. Weiß, Creme, Blauviolett und andere Pastelltöne herrschen vor.

Das Wasserbecken bildet das Zentrum des Senkgartens. Es wird von einem umlaufenden Weg eingefasst. Die Zugänge erfolgen über die zwei senkrecht aufeinander stehenden Hauptachsen, wobei sich an einer Hauptachse das Wohnhaus befindet. Die Beetpflanzungen sind in harmonischen Farbverläufen angelegt. Es gibt eine Kombination von frisch-kühlen Farbtönen von Blau-Violettblau und Weiß. Dann folgen kräftig-warme rot-orange Blüten- und Blattfarben. Sie gehen im knalligen Gelb-Rot-Kontrast über und werden wieder von sanfteren Farbtönen in Violettblau, Blasslila und Weiß abgelöst. So präsentiert sich der Sommeraspekt im Senkgarten. Er erinnert an die Englischen Gärten der Arts- & Crafts-Bewegung rund um Gertrude Jekyll und William Robinson.

 

„Gras ist das Haar der Mutter Erde.“

Foto oben: Gräser waren für eine harmonische Gestaltung mit Pflanzen von essentieller Bedeutung für Karl Foerster. Ebenso die Farne.

Zu den Blütenstauden gesellen sich zahlreiche Gräser wie Chinaschilf, Japan-Waldgras, Garten-Reitgras, Plattährengras und weitere. Ihre Farbenpracht entfaltet sich besonders im Spätsommer und Herbst. Vielen ist das unter der Foersterschen Beschreibung des „Harfe und Pauke-Prinzips“ ein Begriff.

 

„Die Düfte treten das Pedal der Blumenmusik.“

Foto oben: Phloxe und viele andere Blütenpflanzen verströmen betörende Düfte. Im Foerster Garten sind sie oftmals entlang der Wege oder bei Bänken positioniert, damit man ihren Duft gut wahrnehmen kann.

Für Foerster war ein Garten ohne Phloxe undenkbar. Um ihren betörenden Duft gut wahrzunehmen, sind entlang des Weges unterschiedliche Phloxsorten und Lilien gemeinsam mit den duftlosen Hortensien angepflanzt.

 

„Gräser und Farne bringen in die Gartenbilder das Wunder des Natürlichen.“

Foto oben: Hinter dem Haus präsentiert sich der Garten naturnäher. Grüne Farbtöne und unterschiedliche Texturen der Pflanzen dominieren.

Wer dem Weg entlang an der westlichen Hausfront folgt, gelangt in den Natur- und Steingarten.In diesem Gartenbereich liegen auch das Herbstbeet und die Farnschlucht . Hier dominieren Gräser und Farne und verleihen den Pflanzungen mehr Natürlichkeit.

 

„Je schöner ein Garten ist, desto mehr schöne Plätze für Rosen ergeben sich von selbst.“

Foto oben: Immer wieder gibt es auch Rosen im Garten. Neben der rosa Rose hat die Mahonie bereits ihre markanten blau-bereiften Früchte gebildet.

Nicht dominant und doch präsent sind Rosen. Sie setzen farbintensive Akzente im Garten. Sie treten nicht – wie in vielen Gärten – als Blickfang in Szene, sondern runden mit ihren Blüten den Sommeraspekt ab.

 

„Wer mit seinem Garten schon zufrieden ist, verdient ihn nicht.“ – Die Dynamik von Gärten

Gärten befinden sich stets im Wandel. Nicht nur aufgrund ihrer eigenen Dynamik, die etwa durch das Wachstum von Bäumen entsteht. Dann ändern sich durch die Gehölze die Licht- und Schattenverhältnisse. Das wiederum hat Auswirkungen auf das Mikroklima. Aber auch äußere Einflüsse, wie der Klimawandel, machen es erforderlich einen Garten weiterzuentwickeln. Leider gehören die von Foerster so geliebten Phloxe, Rittersporne und Farne derzeit eher zu den Verlierern der Klimaveränderung. Doch gerade die gärtnerischen Sortimente mit überaus vielen trocken- und hitzeverträglichen Arten bieten eine große Chance, Gärten standortgerecht zu bepflanzen.

 

„Wir wollen im Garten auch ein freiwilliges Lächeln der Natur, kein ihr allzu mühsam Abgerungenes.“

Foto oben: Die Pastellfarben von Kandelaber-Ehrenpreis und Phlox stehen im Kontrast zu den kräftigen Blütenfarben der Taglilien.

Mehr Natürlichkeit im Garten, war auch Foersters Intention, weshalb er zu den prächtigen Blütenstauden auch immer Kontrapunkte mit eleganten Gräsern und Farnen setzte. Letztere besitzen einen elegante Schönheit und sie beeindrucken durch ihre Textur und Struktur.

 

„Kein Gartenfortschritt ohne Wagnis!“

Foto oben: Gelbrote Taglilie im wirkungsvollen Kontrast mit den rot gefärbten Stängeln der Herbstaster ‚Calliope‘.

Karl Foerster, 1874 bis 1970, lebte in einer Zeit mit großen Veränderungen und Umbrüchen. Meine Generation, geboren in den 1970er Jahren, ergeht es ebenso. Krisen und Umweltkatastrophen stehen seit meiner Kindheit an der Tagesordnung, Aktivisten fordern wirksame Gegenmaßnahmen: Das Waldsterben durch den sauren Regen in den 1970er und 1980er Jahren habe ich noch stark in Erinnerung. Die Ökologiebewegung als Gegenpol zum industriellen Wachstums- und Konsumdogma. Wir lernten in der Schule wie Mülltrennung geht und wie wir ökologischer Leben können. Der Atomunfall von Tschernobyl und sein verstrahlter Regen auf Österreich war der nächste große Vorfall. Plötzlich war Plize sammeln in der Natur eine Gefahr für den Menschen, weil sie die Strahlung besonders stark aufgenommen hatten. Dann das Ozonloch, das durch die Treibhausgase entstanden ist. Ein Schock für die ganze Weltbevölkerung, weil die Auswirkungen nicht absehbar waren. Heute kümmert sich keiner mehr, um das nach wie vor vorhandene Ozonloch. Und nun die voranschreitende Erderwärmung durch das Kohlendioxid und die damit einhergehenden negativen Entwicklungen, die wir Menschen durch die Versiegelung des Bodens, der Urbanisierung, der Abholzung von Wäldern und vieles mehr verursachen. Wir machen unsere Erde kaputt. Karl Foerster ist es gelungen bis heute nachzuwirken. Ihm ist es gelungen seine Träume zu verwirklichen. Nun sind unsere Träume und Visionen gefragt. Wir müssen alles versuchen, dass sich unsere wundervolle und einzigartige Erde wieder regeneriert. Daher braucht es innovative, unkonventionelle Konzepte auf allen Ebenen. Und besonders in der Freiraumgestaltung und Pflanzenverwendung gibt es hier ein unermesslich großes Potenzial etwas Positives zu bewirken. Ein weiter wie bisher, wird keine Lösung bringen. Das Motto des Hitzersommers 2026 lautet: Act Now!

 

Linkempfehlung

Der Foerster Garten wird heute von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterhalten. Auf der Website der Stiftung gibt es ausführliche Informationen zum Garten und Haus, zu Karl Foerster, seiner Ehefrau und Marianne Foerster, seiner Tochter.