Als Pflanzplanerin sind Pflanzen mein Arbeitsmaterial, mein Gestaltungsmedium. Der Beruf Pflanzplanerin mag romantisch klingen, ist aber tatsächlich sehr bodenständig. Denn meine Arbeitsrealität ist eine Mischung aus kreativem Gestalten und technischer Planung. Bei der Entwicklung einer Bepflanzung gehe ich systematisch vor. Nachzulesen im Blogbeitrag „Attraktive Blumenbeete für Bienen, Schmetterlinge und Co.“.

Laissez-faire-Gärtnern

Im eigenen Garten ist es anders. Zwar beachte ich auch standörtliche Gegebenheiten bei der Pflanzenauswahl. Aber dann ist alles anders. Denn in meinem Hortus Pannonicus ist das Motto: Laissez-faire-Gärtnern. Es einfach wachsen lassen und sich daran erfreuen. Ich greife nur lenkend in die Entwicklung des der Pflanzengemeinschften ein. So bleibt viel Raum für spontanes Wachstum.

Mäuseplage 2019 – Blütenpracht 2020

Wie im Blogbeitrag „Wildblumen-Ansaat im Hortus Pannonicus“ geschildert, hatte ich letztes Jahr eine wahre Mäuseplage. Und nachdem mir die hungrigen Mäuschen meinen Garten fast ratzeputz leergefressen haben, nahm ich dieses Ereignis zum Anlass die Kahlstellen mit Wildblumen zu besämen. Und das Ergebnis ist einfach wunderschön. Denn nun blühen heuer wieder unzählige Blumen.

Die Stockrosen, Alcea rosea, sind typische Bauerngartenpflanzen. Und aus meinem Garten nicht wegzudenken. Aus den ursprünglich hellgelben und dunkelrosa Sorten, gibt es spontane Farbenvielfalt.

Blumen und anderen Gewächse malen mir fantastisch-romantische Bilder. Die Farbpalette reicht von Pastelltönen in allen möglichen Nuancen: Weiß, Rosa, blass Lila, Apricot, Hellgelb, Stahlbau… Ein Traum. Doch nicht nur die Farben der Blüten verzaubern.

Wildlblumen dominieren im Garten. Sie sind robust, unkompliziert und natürlich schön. Die Duft-Skabiose, Scabiosa canescens, (Foto ganz oben links) ist eine kurzlebige Staude. Die Sichelmöhre, Falcaria vulgaris, (Foto ganz oben rechts) hat sich spontan angesiedelt. Ihre duftigen Blütenwolken erinnern an Schleierkraut, Gypsophila paniculata. Die Skabiosen-Flockenblume, Centaurea scabiosa, (Foto oben links) hat eine kräftige Blütenfarbe mit guter Fernwirkung. Die Rasselblume, Catananche caerulea, (Foto oben rechts) ist eine kurzlebige Staude, die ihren deutschen Namen von ihren rasselnden Fruchtständen hat.

Die Pflanzen zeichnen ein wandelbares grafisches Bild aus Punkten, Kreisen, Strahlen, Linien, diffusen Wolken und Schleiern. Eine Freude für jeden Blumisten.

Stimmungsbilder der Natur

Durch die Bepflanzung entsteht eine ephemere Komposition, die im nächsten Augenblick ganz anders wirken kann. Licht und Wind beispielsweise können die Stimmung innerhalb von Sekunden völlig verändern. Alles ist vergänglich. Nichts kann festgehalten werden. Nur der Moment der Erinnerung bleibt.

Blütenbesucher bei Tag und bei Nacht

Rosenkäfer, Cetoniinae, und Faltenwespe, Vespidae, auf der Kugeldistel, Echinops sphaerocephalon, scheinen sich gut zu vertragen.

Ein Landkärtchen, Araschia levana,  in Sommerform besucht eine Skabiose. Diese Tagfalterart zeigt einen Saisondimorphismus. Je nach Jahreszeit erscheinen die Falter in dominant dunkler oder dominant oranger Färbung.

Diese Wildbiene hat sich die große Stockrosenblüte als Ort für ein Schläfchen auserkoren.

Die Raupe des Taubschwänzchens, Macroglossum stellatarum, hat Labkräuter wie hier Galium verum zum fressen gern.

Neben den floralen und vegetabilen Darstellern beleben unzählige Wildtiere das dreidimensionale Gartenbild: Schmetterling und Hummel, Käfer und Wildbiene. Und nicht nur tagsüber flattert, fliegt summt und brummt es. Auch in der Nacht herrscht reges Treiben im Garten. Die weiblichen Glühwürmchen senden Lichtsignale, um einen Partner anzulocken. Nachtfalter besuchen Blüten. Bei Mondschein leuchten diese Nachtfalterblumen. Es sind hell gefärbte und weiße Blüten. Wie etwa Nacht- und Königskerze, Lichtnelke und Seifenkraut.

Auszeit – fernab von Konsum und Kommerz

Eine Kombination von Silber-Ährengras, Stipa calamagrostis, und Seifenkraut, Saponaria officinalis. Letzteres ist eine Nachtfalterblume. Durch die helle Blüte und deren Duft ist sie für nachtaktive Falter gut aufzufinden.

Ich lasse mich von diesem paradiesischen Ort verzaubern. Alles, was mein materielles Alltagsleben normalerweise bestimmt, ist weit weg. Der Garten zeigt mir, was für mich wirklich wichtig ist: Das Leben. Mein Paradiesgarten ist keine Illusion. Er ist tatsächlich real geworden. Mein Paradiesgarten ist klein und dennoch so unendlich groß. Sobald sich der Blick auf einen winzigen Ausschnitt richtet, zeigt sich die Größe des Gartenuniversums.

Mein Gartenglück

Mein Paradiesgarten ist mein Hortus Pannonicus. Er ist kein perfekter Ort, aber lebendig. Er ist nicht immer schön, aber immer interessant. Mein Paradiesgarten ist ein wilder und manchmal auch unberechenbarer Ort, der immer wieder Überraschungen bereit hält. Er ist das Flecken Erde, das mich einfach glücklich macht. Er ist mein Sehnsuchtsort.