Die pittoreske Linden-Allee in Ladendorf ist menschengemacht und von Menschen gepflegt. Und doch ist sie ein großartiges Naturdenkmal das unsere romantische Sehnsucht nach Naturerfahrung und dem Wild-Schönen stillt.
Der Weinviertel Heimatforscher und die Alleen im Weinviertel
Foto oben: Von der gegenüberliegenden Anhöhe, wo sich auch das Schloss Ladendorf befindet, hat man einen schönen Blick auf die Allee Ladendorf.
Bei meiner Recherche für den Blog-Artikel zur Allee Ladendorf im September 2024 bin ich auf den Heimatforscher Franz Thiel gestoßen. Er lebte von 1886 bis 1972 in Poysdorf, war Volksschullehrer und in seiner Freizeit Heimatforscher. Er schrieb zahlreiche Artikel über das Weinviertel und seine Menschen. Seine Artikel finden sich mittlerweile gesammelt auf einer eigenen Franz-Thiel-Website und sind dort frei zugänglich. So auch der Beitrag „Alleen im Weinviertel“, der am 1. November 1949 in „Natur und Land“ – Blätter für Naturkunde und Naturschutz veröffentlich wurde. In diesem Artikel schreibt er:
„Das Weinviertel in Niederösterreich ist im Allgemeinen nicht besonders reich an Naturschönheiten. Und doch hat es solche, vor allem in den Alleen der Umgebung der alten Adelsschlösser, dieser Denkmale der bau- und kunstfreudigen Barockzeit.“
Foto oben: Sommer-Linden sind die Hauptbaumart dieser Allee. Manche Baumindividuen stammen noch von der Zeit, als die Allee angelegt worden ist. Dieüber 300 Jahre alten Bäume erzählen ihre eigenen Lebensgeschichten.
Weiter heißt es zur Allee Ladendorf:
„Die Ladendorfer Allee, deren Anlage General Landen angeregt hat, verbindet die Schlösser Ladendorf und Pellendorf; sie steht unter Naturschutz. Sie zeigt vier Baumreihen und ist nicht ganz vollendet. Ursprünglich bestand sie nur aus Linden, später setzte man Ulmen und wegen der Wildfütterung auch Rosskastanien dazwischen, die leicht faulend, geringe Widerstandskraft gegen Wind und Wetter zeigen. Der Bauer ist dieser Allee kein Freund, weil sie den angrenzenden Feldern viel Schatten macht; der Naturfreund aber ist von den alten ehrwürdigen Bäumen entzückt und der Imker bringt zur Blütezeit seine Bienenvölker dorthin, damit sie eifrig eintragen können. Die Allee bietet außerdem, was nur zu leicht übersehen wird, einen guten Windschutz für die Nachbarschaft. Dieser Allee verdankt auch die Gemeinde Ladendorf ihren Ruf als Sommerfrische“.
Über die Entstehung der Linden-Allee Ladendorf
Foto oben: Im Sommer spenden die imposanten Bäume einen angenehmen Schatten.
Die Allee soll verschiedenen Quellen zufolge im Jahr 1722 von Wirich Philip Lorenz Graf von und zu Daun angelegt worden sein. Er ließ das Schloss Ladendorf barockisieren und die vierreihige Allee pflanzen. Doch bereits sein Vater, Wilhelm Johann Anton Graf von und zu Daun, hat das Schloss samt umliegender Güter 1658 erworben. Und gemäß der Quelle von August Meisinger von 1959 heißt es, dass die Anlage der Doppelallee auf das Jahr 1676 zurückzuführen ist. Dann wäre sie vom Vater, bereits angelegt worden. Vielleicht liegt die Wahrheit auch dazwischen. Möglicherweise hatte der Vater bereits die Idee für die Umbauten und die Allee und der Sohn setzte sie dann um. Es bleibt rätselhaft.
Auch die Länge der Allee und ob es geplant war, sie tatsächlich bis nach Schloss Pellendorf fortzuführen ist nicht belegt. Jedenfalls hat sie derzeit eine Läge von etwas unter drei Kilometer und endet am Stocketwald, der zur Jagd genutzt wurde. Sie geleitete also die Jagdgesellschaft herrschaftlich zur Jagd. Und selbst die Kaiserin Maria Theresia und ihr Ehemann sollen bei einem Besuch die Allee befahren haben.
Die Grafen von und zu Daun
Foto oben: Von der Allee aus, eröffnet sich immer wieder ein anderer Blick in die Landschaft.
Die Grafen von und zu Daun dienten im Habsburgischen Militär und kamen dadurch zu hohen Ehren. Wirich Philipp Lorenz Graf von und zu Daun wurde 1669 in Wien geboren und starb 1741 ebenda. Er diente bereits unter dem Regiment seines Vaters. Später war er kaiserlicher Feldmarschall, Ritter vom Goldenen Vlies, kaiserlicher Geheimer Rat, Vizekönig von Neapel für einige Jahre, Statthalter der Österreichischen Niederlande und Gouverneur des Herzogtums Mailand, kämpfte in zahlreichen Kriegen und besetzte 1708 den Vatikan. Das war im Zuge des Spanischen Erbfolgekriegs der Habsburger. So konnten zuerst Leopold I und später Joseph I den damaligen Papst Clemens den XI ihre Rechte um Gebiete in Italien durchsetzen.
Graf von und zu Daun war von sehr hohem Rang, stand aber unter dem von Prinz Eugen von Savoyen, der zu seiner Zeit lebte und auch ein Freund von Daun gewesen sein soll. Wirich Philipp Lorenz Graf von und zu Daun ließ das Palais Daun-Kinsky auf der Wiener Freyung nach Plänen von Johan Lucas von Hillebrand erbauen. Und seine umfassenden baulichen und gartenbaulichen Unterfangen führten letztlich zum Bankrott. Der Besitz in Ladendorf und Pellendorf bekam eine neue Herrschaft.
30. Mai 1938: Die Allee wird zum Naturdenkmal
Foto oben: Das Naturdenkmal ist auch an Ort und Stelle als solches kenntlich gemacht.
Der behördliche Bescheid zur Ernennung eines Naturdenkmals unter Zustimmung des damaligen Eigentümers ist ein wichtiger Moment, denn nun besitzt die Allee Schutzstatus. Der Bescheid erging an den Eigentümer Anton Sigismund Josef Maria Fürst von Kevenhüller-Metsch. Nun dürfen keine nachteiligen Eingriffe oder Veränderungen vorgenommen werden.
Gemäß der Website „Naturland Niederösterreich“ heißt es: „Ein Naturdenkmal ist ein geschütztes Naturgebilde, das wegen seiner wissenschaftlichen, historischen oder kulturellen Bedeutung oder wegen seiner Eigenart, Schönheit, Seltenheit oder seines besonderen Gepräges für das Landschaftsbild erhalten werden soll.“
Naturdenkmäler können Quellen, Wasserfälle, Höhlen, markante Felsformationen oder Schluchten und dergleichen sein, aber auch Einzelbäume, Baumgruppen, Alleen und Parkanlagen, die von Menschen angelegt oder gepflanzt wurden.
Foto oben: Linden können beeindruckende Stammdurchmesser von über zwei Metern erreichen.
Thema des nächsten Blog-Beitrages:
Der 2. Teil befasst sich mit der Allee als barockes Gestaltelement.